Lipidmanagement bei Statinintoleranz

Autor: OA Dr. Klaus Knechtelsdorfer
Innere Medizin 2
Kepler Universitätsklinikum Linz
Anamnese
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Foto © KUK Linz
Ein 55-jähriger Mann stellt sich in der Stoffwechselambulanz mit Überweisung vom niedergelassenen Internisten vor. Es besteht ein Zustand nach STEMI mit Stentrevaskularisation vor 3 Jahren.
Aufgrund einer gleichzeitigen Hypercholesterinämie mit einem LDL-Cholesterin von anfangs 150mg/dl wurde bereits im Krankenhaus eine Statintherapie eingeleitet. In den folgenden Jahren wurden 2 weitere Statine verordnet. Anamnestisch konnte jede Therapie jedoch nur kurze Zeit eingenommen werden und musste aufgrund von Muskelschmerzen beendet werden. Aktuell nimmt der Patient neben einem Thrombozytenaggregationshemmer und einer antihypertensiven Therapie Ezetimib ein.
Frage 1: Mit welchem Score kann objektiviert werden, ob die beschriebenen Muskelschmerzen tatsächlich durch die Statin-Therapie ausgelöst sind bzw. einer Statin-Myopathie entsprechen?



Auflösung
Antwort 1 ist korrekt.
Der Rosenson Score dient zur Diagnostik von Statin-assoziierten Muskelsymptomen. Der DLNC-Score dient zur Abschätzung des Risikos für das Vorliegen einer familiären Hypercholesterinämie; der Widespread Pain Index wird zur Diagnose der Fibromyalgie eingesetzt; der SCORE2 gibt das Risiko an in den nächsten 10 Jahren ein kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden.
Rosenson RS, et al. Cardiovasc Drugs Ther. 2017;31(2):179-186

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Prozedere
Bei oben genanntem Patienten ergibt sich ein Score von 10, womit von einer Statin-Unverträglichkeit ausgegangen werden kann. Das aktuelle LDL-Cholesterin liegt bei 110mg/dl unter Monotherapie mit Ezetimib.
Frage 2: Welches LDL-Cholesterin Ziel soll bei diesem Patienten angestrebt werden



Auflösung
Antwort 3 ist korrekt.
Es besteht ein sehr hohes Risiko mit einmaligem kardiovaskulärem Ereignis und damit ein LDL-Cholesterin Ziel von <55mg/dl (1).

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Frage 3: Nachdem das aktuelle LDL-Cholesterin über dem Ziel liegt, wird entschieden die Therapie zu erweitern. Bei einer bestehenden Therapie mit Ezetimib kann durch welche Therapie-Änderung wahrscheinlich das Ziel erreicht werden?



Auflösung
Antwort 2 ist korrekt.
Entsprechend der aktuellen ESC/EAS Guidelines soll bei Statinintoleranz die alternative Therapie entsprechend der zu erwartenden LDL-C Senkung gewählt werden (2). Mit einer Therapieerweiterung um einen PCSK9-Hemmer kann eine zusätzliche Senkung von 50-60% erwartet werden. Die anderen Optionen können zwar eine Besserung bringen aber vermutlich nicht ausreichend. Roter Reis könnte zusätzlich die Statin-assoziierten Muskelbeschwerden auslösen.

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Es wird entschieden eine Therapie mit Ezetimib und einem PCSK9-Hemmer durchzuführen. In der Kontrolle nach 2 Monaten zeigt sich bereits ein LDL-Cholesterin von 50mg/dl, womit das empfohlene Ziel erreicht wird.
Literatur
  1. Mach F, et al. 2019 ESC/EAS guidelines for the management of dyslipidaemias: Lipid modification to reduce cardiovascular risk. Atherosclerosis 2019;290:140-205.
  2. Mach F, et al. 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Atherosclerosis 2025, 28:120479.